Kinderschutz mit Wissen und Fingerspitzengefühl

Anfang Februar war Bad Iburg Gastgeber für eine Fortbildungsveranstaltung des Landkreis Netzwerks „Frühe Hilfen“. Gleichstellungsbeauftragte und Familienservicebüro-Leiterin Irene Wellmann begrüßte Vertreter und Vertreterinnen von Schulen, Kindergärten, Tagesmütter, Ärzte, Mitarbeiter in der Jugendpflege und viele andere, die sich beruflich oder ehrenamtlich um Kinder kümmern.


Es ging um das Thema Kinderschutz und die Frage „Wie erkenne ich, dass ein Kind Schutz braucht und was kann man tun?“ Kindeswohlgefährdung muss nicht immer spektakulär ins Auge fallen, es gilt auch die kleinen Zeichen zu beachten, so dass man schon früh Hilfe anbieten kann. In der voll besetzten Mensa der Bad Iburger Realschule referierten Anja Plaßmeyer vom Fachdienst Erziehungs- und Beratungshilfen des Landkreises, Annemarie Schmidt-Remme, Koordinatorin „Frühe Hilfen“ und Anja Prante, Diplom-Psyhcologin vom Kinderschutzzentrum Osnabrück. Die Gefahren für die Kinder, egal welchen Alters, seien vielfältig, von der körperlichen Misshandlung, psychischen Tortur wie Liebesentzug als Strafe, sexuellem Missbrauch, Vernachlässigung bis hin zu dem Trauma Zeuge sein zu müssen von häuslicher Gewalt unter den Eltern.

Die Fortbildungsveranstaltung gab den Teilnehmern/innen praktische Beispiele, wie man konkret helfen kann. Wichtig sei, dass man dabei als Helfer auch eine gewisse Handlungssicherheit habe, nicht das Gefühl aufkomme, man würde zu schnell eingreifen. Annemarie Schmidt-Remme präsentierte den „Fall Pippi Landstrumpf“. Ein kleines Mädchen, ohne Eltern und Betreuung in einem großen Haus alleine lebend, das nicht zur Schule geht. Müsse man in diesem Fall einschreiten, auch wenn auf den ersten Blick das Mädchen gut damit zurechtkommt? Klar müsse man hier einschreiten, stimmte auch Irene Wellmann zu: „Lieber einmal mehr als einmal zu wenig.“ Es gehe ja nicht darum Eltern mit Repressalien oder sogar Kindesentzug zu drohen, sondern den Eltern konkrete und nachvollziehbare Hilfe anzubieten, um den Kindern zu helfen. Dazu gehöre vor allem die Beratung durch fachlich geschulte Kräfte. Wie so eine Beratung aussehen kann, demonstrierte die Diplom-Psychologin Anja Prante. Diese Demonstration nahm den Teilnehmern des Seminars die Bedenken, eine solche Beratung zu initiieren. Insgesamt erhielten sie durch die Fortbildungsveranstaltung Beurteilungskriterien an die Hand, die ihnen im Umgang mit dem Thema Kindeswohlgefährdung und Kinderschutz mehr Sicherheit gibt, im richtigen Moment aktiv einzuschreiten, um Kinder, aber auch Eltern, auf dem Weg aus einer Krise begleiten zu können.

BILD:

Aktiv helfen, wenn Kinder gefährdet sind: (von links) Anja Prante (Kinderschutzzentrum Osnabrück), Irene Wellmann (Stadt Bad Iburg), Annemarie Schmidt-Remme (Netzwerk „Frühe Hilfen“) und Anja Plaßmeyer (Fachdienst Erziehungshilfen).